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Das Jahr 1947 in russischer Gefangenschaft!

Vom Lager Deduwe 7236/3 fuhren wir durch eine sehr schöne Gegen des Kaukasus. In der Ferne grüßten die hohen Berge, die einen gewaltigen Eindruck auf uns machten, besonders Kasbeck 5047 m.

Da in diesem Lager etliche krank waren, die zurück nach Tiflis in das Revier vom Hauptlager gebracht werden sollten, musste der Lagerbestand zahlenmäßig stimmen. So mussten wir 30 Mann aus Tiflis den Fehlbestand ausgleichen. Was wir jetzt im Winter in den Weinbergen machen sollten, war uns unverständlich. Aber wir kannten ja – Befehl ist Befehl -, so sind wir trotz gefrorener Erde rausmarschiert und sollten die Stöcke von Unkraut befreien. Diese Arbeit habe ich nicht lange durchgehalten.

Im März wurde ich nach Tilflis in Hospital eingeliefert. Die Ärztinnen und Schwestern waren noch von 1945 und begrüßten mich freundlich. Sie waren erstaunt, dass ich noch nicht zu Hause war. Nur die G.P.U. wollte noch nicht. Von März bis Mitte August war im Hospital, in dieser Zeit hatte ich schwere Malaria-Anfälle. Die Malaria hatte ich 1943 an der Mius-Front bekommen und in Abständen bekam ich immer wieder hohes Fieber und Schüttelfrost.

Mitte August 1947 wurden für das Staatsgut Ordschenikidse 40 Arbeitskräfte benötigt. Im Hospital wurde ausgemustert, ich war dabei! Die Fahrt ging über die Berge, in Serpentinen vorbei ein Gletscher vom Kasbeck 5047 m. den höchsten Berg im südlichen Kaukasus. Wir durften nicht runter schauen, es wurde uns schon schwindelig, standen wir doch auf dem LKW und hielten uns gegenseitig. Die Fahrer hatten ihren Spaß an unserer Angst und sind oft gefährlich nahe an steile Abhänge gefahren. Endlich kam das hügelige Land in Sicht. In der Ferne lag die Großstadt Ordschenikidse, bis dort waren auch im September 1942 die Deutschen Panzer vorgedrungen, aber dann war Schluss. Die Berge konnten nicht genommen werden. Auch ich war 1942 in dieser Gegend.

Das Staatsgut wurde von einem Kapitän geleitet mit einer Wachmannschaft von ca. 20 Mann. Wir hatten zur Bewachung einen Feldwebel, der zu uns sehr human war. In einem großen Zelt, welches wir aufbauen mussten, waren wir nun zu Hause. Unsere Arbeit war, die Ernte einzubringen, Kartoffeln, Weizen, Sonnenblumen und Tomaten. Zum Teil wurde das Getreide zum nächsten Güterbahnhof gefahren und dort unter strengster Bewachung verladen. Jeder Sack wurde einige Male gezählt und dann in den Waggon verladen. Einige von unseren Kameraden haben für den „Naschalnik“ Säcke verschwinden lassen, dafür bekamen wir dann 1 Sack Sonnenblumen, der auf dem Basar gegen Milch und Fleisch getauscht wurde. Unser Koch bereitete ein gutes Essen. Es gab nach Jahren wieder einmal Kartoffelbrei und Fleisch. Da wir dieses so lange nicht mehr gehabt haben, schmeckte es besonders. Die Folge, wir waren einige Tage krank.

Ende November/Anfang Dezember 1947 war die Arbeit beendet, die Ernte eingebracht. Nun mussten wir wieder zurück über die verschneiten Berge, in unseren Sommersachen, Bekleidung u. Schuhe/Holzsandalen. Wir haben wir mächtig gefroren. Die Fahrkunst von unseren 2 LKW-Fahrern haben wir bewundert, bei Schnee und Eis.

Einige Tage hatten wir im Lager Deduwe (Tiflis) Ruhe. Dann wurden wir wieder zur Arbeit bei den verschiedenen Brigaden eingeteilt. In dieser Zeit bekam ich auch die Nachricht von der Heirat meiner älteren Schwester. Auf meine Heimkehr konnte sie nicht mehr warten. –Wer wusste denn überhaupt, wann wir nach Hause kamen. In dieser Zeit waren viele Prozesse gegen Kriegsgefangene wegen angeblicher Gewalttaten. Sie wurden zu 25 Jahren verurteilt – obwohl es keine Beweise gab. Man brauchte weiterhin billige Arbeitskräfte. Das Internationale Rote Kreuz verlangte endlich die Heimkehr! So feierten wir die 4. Weihnacht in der Hoffnung irgendwann doch einmal nach Hause zu kommen.

Hier begegneten uns eines Tages japanische Kriegsgefangene und begrüßten uns herzlich! Die Verständigung war Zeichensprache. 1948 war noch einmal eine Begegnung in Dwiri.

   
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