Beitragsseiten

Kriegserinnerungen 1944 (Ergänzung Ostfront 1944)

Im Januar 1944 befand ich mich im Reservelazarett Kreuzburg/Oberschlesien. Von dort wurde ich im Februar verlegt in ein Lazarett in Obernigk bei Trebnitz/Schlesien.

Im März wurde ich zur Genesungskompanie 194 Aschersleben/Harz entlassen. Mitte April Aufstellung eines Marschbataillons – das Ziel war Osten. Die Fahrt ging durch Ostdeutschland-Karpaten-Rumänien. Ein Feldflughafen war unser Ziel. Hier wurde uns mitgeteilt, wir kommen zur alten Einheit IR 50 111 ID, die auf der Krim im Festungsgürten von Sewastopol lag.

Bei gutem Flugwetter sind wir mit der HE 111 25 Mann an Bord über das schwarze Meer zur Krim geflogen. Bei der Landung empfing uns schon russisches Flackfeuer. Der Divisionskommandeur, General Gruner, empfing uns, was wollt ihr hier noch! „Befehl ist Befehl“. Beim Regimentsstab von IR 50 traf ich einen Schulfreund aus meiner Heimat, Hermann Bruns Er war Funker! Die Freude war groß. Dann wurden wir den Kompanien zugeteilt, die in der vordersten Stellung lagen!

Die Erlebnisse – Sewastopol – Mai 1944 möchte ich heute genau beschreiben:

Sonntag, der 5. Mai – ein schöner Tag scheint es zu werden. In den Morgenstunden Nebel, später blauer Himmel und Sonnenschein. Dann ist es soweit, ein gewaltiges Trommelfeuer aus hundert von schweren Geschützen, Salvengeschützen und schweren Granatwerfern eröffnen das Feuer. In den Vormittagsstunden treten die russischen Schütendivisionen zum Angriff an. Sie werden von Kampf- und Schlachtfliegerverbänden unterstützt. Wir haben noch ein Gebiet zu verteidigen von 20 km Breite, 8 km Tiefe, dann kam das zerstörte Sewastopol und dahinter das Schwarze Meer!

Die erbitterten Kämpfe dauerten mehrere Tage. Die Stellungen wurden öfters gewechselt. Der Russe setzte immer wieder Panzer zur Unterstützung seiner Infanterie ein. Wir haben uns verteidigt, es wurde verloren gegangenes Gelände wieder zurück erobert. Aber am 7. Mai mussten wir der Übermacht weichen, der Russe stürmte mit dem Schrei „Hände hoch“ nun ich tat es nicht. Ein Schuss aus der MP in den Rücken, ich fiel um, konnte nicht mehr laufen. Die Russen stürmten weiter, ich fand keine Beobachtung. Nach einiger Zeit wollte ich aufstehen. Rückenschuss und konnte es aber nicht. Sie bin ich durch die hügelige Landschaft gekrochen. Unterwegs traf ich einen Kameraden mit einem Bauchschuss. Wir zwei haben uns untergefasst und sind zur nächsten Verbandsstelle, die in einer Schlucht untergebracht war, gehumpelt. Wir wurden nur notdürftig verbunden. Das Verbandsmaterial war ausgegangen. Mit einem Sanka sollten wir zu einem Feldflughafen gefahren werden. Unterwegs bekam das Fahrzeug einen Treffer, wir flogen raus. So legte man uns dann an die Steilküste in das freie Gelände, es waren tausende von Verwundeten, ein Gestöhne und Geschrei. Es gab keine Medikamente mehr. Ein bekannter Unteroffizier von der Feldgendarmerie der 111. ID erkannte mich wieder und redete mir Mut zu. Wir waren August/September 1942 in Modok vom Terek/Kaukasus zusammen gewesen. Jetzt kamen russische Aufklärer, etwas später Jagd- und Kampfflieger, die gnadenlos im Tiefflug auf die Verwundeten geschossen haben. Wer konnte, rettete sich in die Höhlen, die an der Steilküste waren. Nun wartete alles auf die Schiffe. Es kam ein Schiff noch durch, nach dem schon mehrere größere Schiffe mit tausenden von Soldaten, gesunden und verwundeten versenkt worden waren.

Der kleine Dampfer „Helga“ hat noch Munition an Bord, die wir Verwundete erst in das Wasser werfen müssen. Auf diesem Schiff waren nur Verwundete gekommen. Die Verwundung musste vorgezeigt werden. Ein Major und ein Hauptmann überprüften alles. Es wollten ja noch tausende Gesunde mitgenommen werden. Beim Auslaufen haben sich viele an die Taue gehängt, sind dann aber in das Mehr gefallen. Die Aufklärer kommen bald, danach kamen die Bomber, das Schiff bekam einen Volltreffer –Feuer bricht aus. Wer unversehrt ist, springt über Bord. Pionierfähren retten was sie können.

Dazu gehöre auch ich. So kommen wir großen Gefahren nach 13 Stunden in Constanza an. Die Stunden werde ich nicht vergessen können. Es war unbeschreiblich. Für die Rettung danke ich unserem „Herrgott“.

Meine Rettung durch Fahrprämen im Schwarzen Meer und eine 13 stündige Fahrt nach Constanza, kamen einem Wunder gleich.

Nach Ungarn in 2 Lazarette Debrezin und Grßwardein! Operation und Blut gespendet nach 6 Wochen KV entlassen mit Marschbefehl zur Frontleitstelle Kischinew/Besserabien. Vorn dort zur 161 Infanterie-Division die restlichen kämpfen der alten 111 Infanterie-Division wurden gesammelt und als Traditionsverband IR 50 der 161 Infanterie-Division unterstellt. Die Einheit lag am Dngster gegenüber Tiraspol.

Ende August 1944 kam der Rückzugsbefehl mit allen Beschwerden, Chaos usw. Gefangennahme in einem Maisfeld. Der Marsch in ein großes Sammellager von Deutschen in Tiraspol! Nicht zu beschreiben. Von dort ging es Ende September 1944 mit einem Gefangenentransport in das Bergwerk- Novo-Schachty. Bis zum gesundheitlichen Zusammenbruch Januar 1945!

   
© Heimat und Geschichtsfreunde Rommerz