Räuber fanden immer wieder in Rommerz Unterschlupf

Die alte Handels- und Heerstraße bot den Reisenden keine Sicherheit, noch 1811 mussten an der Straße von Hanau nach Fulda Husaren stationiert werden, die für Sicherheit sorgen sollten. Trotz der Husaren blieb es um die öffentliche Sicherheit schlecht bestellt, so berichtete der Amtmann Rang aus Neuhof noch 1818 dass die Räuber im Amtsbezirk Neuhof immer noch ihr Unwesen treiben. Rang und Oberrentmeister Kreisler berichten an die Polizeidirektion Fulda, dass das im Land umherziehende Diebesgesindel seinen Hauptsitz in der Ortschaft Giesel, aber auch Unterschlupf in Rommerz und Flieden findet. Die Räuberbande aus Giesel besteht aus:

Joh. Herm. B. ……………………Baron

Joh. Sch. ……………….….der Zimmer

Joh. L. Klenze. …………………..Dicker

Valentin H. ………………...ein Beisass

Joh. L. Klenze. ……………….…Kleiner

Joh. Sch. ………………..Gassenschulz

Von diesen sei Johann H. B. der Anführer und Johann Sch. sein Vertreter. Beide wohnten in einer Hofreite, welche am Ende des Dorfes Giesel stehe, da wo die Wege von Sieberz und Kleinheiligkreuz zusammenlaufen. In ihrer Behausung,
respektiver der Scheuer derselben, soll ein heimliches Gemach gewesen sein, worin die gestohlenen Sachen aufbewahrt waren.

Diese Bande ist zwar bekannt, so schreiben Amtmann Rang und Oberrentmeister Kreisler,
allein sie sei der Schrecken des Dorfes und der Gegend und niemand traue sich
gegen sie aufzutreten. Selbst der Schultheiß des Dorfes Giesel soll mit dem
Baron in Verbindung stehen und ihm jede Maßregel stecken, welche der Staat
öfters in Haussuchungen und dergleichen gegen die Bande vornimmt. Es heißt dann
im Bericht weiter:

Das fremde Diebesgesindel, an deren Spitze einige Räuber namens Strohüter stehen, ist mit denselben (gemeint sind die Gieseler d. Verf.) in Verbindung und hat seinen Unterschlupf öfters bei ihnen, hauptsächlich in der Behausung des Barons und des Joh. Sch. (vulgo Zimmer). Gewöhnlich ist dieser anwesend bei dem Eintritte sehr kalter oder doch sonst sehr übler Witterung. Der Baron, Joh. Sch. (Zimmer) und gewöhnlich einer oder drei von den übrigen Mitgliedern der Bande sind öfters mehrere Tage abwesend und sind schon mehrere Male erst jüngst wieder in Gesellschaft einiger fremder Burschen zurückgekommen, welche bei ihnen übernachteten. Die fremden Bursche, ihrer fünf bis sechs, öfters auch mehr an der Zahl, manchmal auch in Gesellschaft von einigen Weibsleuten (wovon einige Lehr, Bähr, Balzer, Harengel und Faulstich heißen sollen), halten sich öfters auch in der Ochsenmühle ober Rommerz, auch bei einer gewissen Wittib Besel und oftmals bei einem Schneider namens Licht in dem Dorf Rommerz auf, welches erst jüngst der Fall wieder war, als die Dragoner die Ochsenmühle visitierten und in derselben nichts fanden.

Sie kommen gewöhnlich gegen zehn Uhr abends, essen und trinken Lebensmittel die sie gewöhnlich mitbringen und verlassen gegen ein Uhr die Häuser wieder. Sie sind mit Doppelflinten bewaffnet und gewöhnlich soll einer während deren Anwesenheit die Wache halten. Aus der Hofreite der Ochsenmühle läuft indessen hinten hinaus nach dem Walde zu ein Ffädchen, über welches sie gewöhnlich ankommen und weggehen; dort wären sie vielleicht am leichtesten zu erwischen.

Vor einiger Zeit übernachteten sie ebenfalls wieder in Rommerz in der Ochsenmühle und einer derselben zählte einen großen Beutel voll
Geld welcher mehrere hundert Gulden enthalten haben soll. Sie sprechen gewöhnlich sehr offen von ihren Diebereien und machten jüngst in der Ochsenmühle die Äußerung einem Möller bei Schlüchtern das Haus abbrennen zu wollen. Im Dorfe Flieden halten sie sich gewöhnlich bei dem Schneider Joseph Waider auf, welcher unter die verdächtigen Bursche gehört und sie nicht nur allein aufnehmen, sondern auch mit ihnen in Diebsverbindungen stehen soll.

Auch in Poppenrod auf dem Vogelsberg sollen sie mit einem gewissen Zimmermann so viel ich habe ausmachen können, namens Hoffmann coladirn (wohl kollaborieren = zusammenarbeiten d. Verf.) und öfters bei diesem ihre Niederlage haben. Sie treiben ihr Wesen bis über das Vogelsgebirge, hauptsächlich in die Gegend von Wächtersbach und wenn sie diesseits Verfolgung oder Nachstellung spüren, so sollen sie sich schnell nach dem Biebergrund und in die Gegend von Tann verziehen.

Dies sind die Nachrichten, welche ich über diesen Gegenstand vorläufig einziehen konnte und daher meinem hohen Directorium der Polizey gehorsamst vortrage…“

Er schreibt dann noch, dass er sich weiter erkundigen will.Später teilt Polizeidirektor Scheffer, Fulda, dem Amt Neuhof mit, dass die Diebe Valtin Haas und Heinrich Wenzel aus Giesel arretiert worden sind, die bei dem Gastwirt Kullmann in der Nacht vom 2. auf den 3. Februar 1820 eingebrochen waren.

Das gründliche Wissen der Neuhöfer Beamten über die Räuber lässt vermuten, dass sie einen Zuträger besaßen. Ein solcher existierte auch – wie sich später herausstellte – in dem Oberförster Graner aus Rommerz. Aber auch dieser wiederum scheint einen Informanten direkt in der Bande gehabt zu haben der ihm diese Detailkenntnisse übermittelte. Was schließlich aus der Bande wurde, ist nicht bekannt. Vermutlich löste sie sich auf und ihre Mitglieder kehrten – zumindest teilweise – ins bürgerliche Leben zurüc
k.

Quellennachweis: Buchenblätter Nr. 19 19.10.2007

PS.: Ein Sohn von Oberförster Johann Nepomuk Bernhard Graner , Constantin Damian Graner welcher in Rommerz aufwuchs, war Pfarrer von Giesel, wo er 1871 verstarb.

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