Dieses früher schon seltene, in unserer Zeit ganz ausgestorbene Handwerk wurde im Wald bei Rommerz ausgeübt. Heute noch heißt die Flur am Magdloser Weg, dort wo er unweit des Dieborns in den Wald eintritt, „Am Schmierofen“. Schmiere nannte man den Holzteer, weil er überwiegend zum Schmieren der damals noch hölzernen Wagenachsen verwandt wurde.

 

So genannte Teerbutten, das waren Eimer mit einem Gemisch von Pech (Teer) und Leinöl zum schmieren, wurden an den Hinterachsen der Wagen aufgehangen. Aus dieser Zeit stammt auch das Sprichwort "Wer gut schmiert, der gut fährt". Auch gebrauchte man ihn, bei der Maul- und Klauenseuche als Desinfektionsmittel. Das nebenbei gewonnene Kienöl wurde an die Apotheker, die Holzkohle an die Schmiede und Spengler verkauft.

 

Die ersten bekannten Rommerzer „Theerbrenner“ waren Johannes Anton Wehner 1815 – 1868 in der „Hohle“ und Johannes Schiebener 1791 – 1864. Dieser wohnte in der „Nothütte“ Haus Nr. 8 (Baumann). Er verkaufte Haus und Teerbrennerei 1883 für 277 fl. (Gulden) an seinen Stiefsohn Nikolaus Schöppner 1828 – 92, er war in Rommerz und Umgebung als „Schmier Kloas“ bekannt. Wenn zwei bis drei Fässer mit Schmiere gefüllt waren, lud er sie auf den Schubkarren, zog durch die umliegenden Dörfer und rief: „Schmier kauf, Schmier kauf!“ Das Kilogramm Schmiere hat in etwa nach heutiger Währung 0,30 bis 0,50 Euro für den Teerbrenner gebracht.

 

 

 

  

Der "Schmerschorsch" aus Kirtorf im Vogelsberg. Das Bild ist aus dem Kirtofer Heimatmuseum.


  

Für die Teerherstellung braucht man die Wurzelstöcke von Kiefern. Da dieser Nadelbaum im Fuldaer Land nicht so stark verbreitet ist und auch war, dürfte es auch nur wenige Teerbrenner gegeben haben.

 

Die Kiefernstöcke wurden meist im Winter gerodet und zerlegt, während das Brennen im Sommer erfolgte. Die kienhaltigen, gut gereinigten Teile der Wurzelstöcke wurden zerkleinert und in den Brennofen gefüllt.

 

Wenn die Kiefernstöcke ausgebraten waren und die Flüssigkeit pechartig wurde hörte man mit dem Feuern auf. Es dauere aber vier bis fünf Tage, bis der Ofen erkaltet war und gesäubert werden konnte.

 

Das Teerbrennen wie auch das Teerverkaufen, waren ein sehr mühevolles Gewerbe, die Brenner waren oft tage oder wochenlang mit ihren Schubkarren unterwegs, um ihre Produkte an den Mann bezw. Kunden zu bringen. Durch die Einführung des Steinkohleteers und die Einführung der eisernen Achsen, zu Anfang des 19. Jh. wurde schon in1880 der Teerofen in Rommerz aufgegeben.

 


Aufbau und Funktion von Teeröfen

Zunächst begann die Gewinnung von Teer recht primitiv. Auf dem lehmverfestigten Boden eines Holzkohlemeilers floss der Teer durch eine Abflussrinne nach außen. Danach benutzte man aus Ziegeln gemauerte Trichter, aus deren Mitte der Teer in eine Röhre abfloss. Das dafür benötigte Kienholz musste klein gespalten und in dem Trichter aufgestapelt werden. Der Holzstapel wurde mit Erde abgedeckt und der Teer langsam ausgeschmolzen. Dieser Teer war sehr dick und zäh.


 

  


Querschnitt eines Teerofens

  

Größere, zunächst einwandige, später auch doppelwandige, bienekorbähnliche, gemauerte Öfen wurden im 17., vor allem aber im 18. Jahrhundert errichtet. Bei letzteren befand sich der Brandraum zwischen den beiden Wänden, also zwischen dem Stauraum und der äußeren Kammerwand. Hier wurde Holz verbrannt und die notwendige Hitze erzeugt, um aus dem innen aufgestapelten Kienholz, durch Verschwelung (Trockendestillation) den Teer zu gewinnen.

 

    

 

Zeichnung eines Teerofens
Der Querschnitt eines Teerofens



   

Der Ofen hatte einen runden Grundriss und Kegelform. Der Durchmesser betrug etwa drei Meter, die Höhe etwa zwei Meter. Die Breite des Brandraumes betrug bei einem Durchmesser des gesamten Kegels von 4m etwa 1,5m.Der äußere Mantel war aus Feldsteinen und Lehm hergestellt, der innere Destillierofen oder Kessel neigte sich zum Abflussloch, das nach Füllung des Kessels, ebenso wie die obere Öffnung, mit Lehm verstopft wurde. Meist kamen auf die obere Öffnung noch eine eiserne Platte, Steine und Rasenstücke

 

Das Feuer im äußeren Brandraum musste etwa 4 - 5 Tage unterhalten werden. Der Teerbrenner war während dieser Zeit ständig anwesend, d. h. er musste auf dem Kien sein! Um die Hitze während des Brandes zu stauen, wurden die Zuglöcher im oberen Teil des Ofens zunächst zugemauert und der Ofen mit Erde abgedeckt. Auch musste Brennholz nachgelegt werden. Dann wurden die Zuglöcher geöffnet, damit durch zu große Hitze die Öfen nicht platzten. Der innere Mantel erhitzte sich bis zur Weißglut und die Kienhölzer im Schwelraum begannen zu schwitzen.

 

Das Fassungsvermögen der Öfen schwankte zwischen 16 und 67 Kubikmeter Kienholz. Jährlich wurden je Ofen acht bis fünfzehn Brände erreicht, wobei die höhere Anzahl der Brände mit den kleineren Öfen gefahren wurde. Am 1. Brenntag wurde das im Holz befindliche Wasser abdestilliert. Es bildete sich Presswasser, ein schmutziges Wasser mit öliger Oberfläche. Danach floss in 4 - 5 Tagen der Teer aus dem Trog.

 

Wenn der Ofen am Sonntagnachmittag angefeuert worden war, kam am Dienstag das „Brandwasser“, etwa zwei Eimer braune Flüssigkeit, aus der Abflussöffnung. Am Mittwoch kam das Kienöl, kaum mehr als zwei Liter. Gegen Abend folgte dann mit betäubendem Dampf der eigentliche Teer, der etwa in Strohhalmstärke langsam auslief und sofort in die länglichen Teerfässer geleitet wurde.

 

Dieser Vorgang wird wie folgt beschrieben (Zit.: Museum Berlin-Reinickendorf): "Mit dem Fortschreiten des Brandes tropfte erst flüssiges gelbes Harz, danach rotes Harz und schließlich hellbrauner Teer aus dem Holz. Es floss vom Boden des Schwelraumes durch eine schmale Rinne in den gemauerten Grundtrog. Danach begann der Teerbrenner mit der Weiterverarbeitung der Schwelprodukte. Das gelbe Harz wurde durch Destillation zu Kienöl verarbeitet, das zur Herstellung von Farben, zum Einreiben des Viehs und als Brennmittel für die Pechlampen (Tranfunzeln) diente. Als Rückstand blieb das gelbe Pech übrig. Es wurde verkocht bis es schwarze Färbung (Pech) annahm." Drei Kubikmeter Kienholz ergaben etwa 115 Liter Teer. Zum Teerschwelen wurde in der Regel das kienhaltige Kiefernstockholz (auch Stubben genannt) verwendet. Der Teerschweler musste nicht nur die Stubben (Wurzelstöcke) roden, sondern auch das Holz von der Erde reinigen und die kienführenden Stücke vom harzarmen Holz trennen. Das Verhältnis war etwa 1/4 Kienholz zu 3/4 Brennholz. Das Brennholz diente dann zur Erhitzung des Ofens.

 
   
 
 

Außerhalb von Kirtorf, hinter dem Alsfelder Tor, findet man im Wald am Grillplatz einen, zur Sicherheit zu gemauerten, Schmerofen, wie er vielleicht auch in Rommerz gestanden hat.

 
   
 
  Heimat und Geschichtsfreunde Rommerz Juni 2009 rem

Info unter:  www.koehlerhof-wiethagen.de   

http://www.stadt-kirtrf.de/html/museum.html

 

   
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