Holzbearbeitung in Rommerz

 

 

Vor- und Frühgeschichte

Für eine dauerhafte Besiedlung des Kemmetetals, in der Vor- und Frühgeschichte, fehlen bislang Funde und Belge. Dennoch gibt es zwei Funde, die zumindest die Anwesenheit von Menschen der Jungsteinzeit belegen. So wurde im Sommer des Jahres 1951 im Uferbereich der Kemmete eine jungsteinzeitliche Steinaxt gefunden, vermutlich wenig oberhalb (also flussaufwärts) der Brücke (gemeint ist wohl die Straßenbrücke über die Kemmete). Nach den angaben und Daten des Vonderau Museums in Fulda, liegt der Fundort im Umfeld des Jahnsbörnne (Föllesch-Born). Hier könnten sich auch jungsteinzeitliche Menschen in der Nähe einer Quelle niedergelassen haben. Der Fund wird beschrieben, als beschädigte Steinaxt aus grünlichem Felsgestein mit konischer Durchbohrung        L. 12,5 cm, Br 4,7 cm, St. 5,3 cm, Dm. der Durchbohrung 2,5 bzw. 2,6 cm (Taf. 4,3). Er wird im Vonderau Museum in Fulda in einem Glasschrank  unter der Bezeichnung: Rommerz "An der Kemel" Einzelfund, Steinaxt, Neolithikum gezeigt. Solch ein Werkzeug mit dem entsprechenden Holzstiel, diente bei der Holzbearbeitung als Spaltwerkzeug.(siehe Bild 1)

20150205 162021

Bild 1

Ein zweiter Fund dessen genauer Fundort nicht bezeichnet ist, stellt eine Pfeilspitze mit konkaver Basis aus grauweißem Feuerstein da. Die Spitze ist abgebrochen L. noch 2,5 cm, Br. 2,0 cm, St.0,45 cm (Taf.8,28). Nachweis Museumsinventar, Vonderau Museum Fulda, wird zur Zeit nicht ausgestellt.

 

 

Mühlen

Schon früh im Mittelalter dürften sich die ersten Müllern mit ihren Mühlen an dem Wasser der Kemmete angesiedelt haben.

Ein Fund in Fulda in der Langenbrückenstraße belegt, dass sich dort einst eine Mühle schon im 9. Jahrhundert befunden hat.

Der Fund wird im Vonderau Museum in Fulda gezeigt.(siehe Bild 2 und 3)

20150205 162447a        20150205 162436

Bild 2                                          Bild 3

Wie wir aus einer alten Urkunde erfahren, hat bereits im Jahre 1502, ein gewisser Hans Jahnen ein Erblehen von Abt Johann über eine Mühle zu Rommerz nebst Ländereien und Ellern in der Wüstung Langenau ober Flieden empfangen.

In einer alten Güterbeschreibung des Amtes Neuhof von 1560 werden einige Namen von Müllern übermittelt.

Ein Hans Fleischawer hat eine Mühle am Ochsenrein gelegen, Claus Kilians Kinder haben einen halben Mühlenanteil, Henn Möller in der Hornnßmuln hat den anderen halben Anteil, Henn Weber (Moller), ist Erbe, Henn Jahn hat ein Moln zum Rommerts. Ob sich eine Sägemühle oder ein Hammerwerk zu dieser Zeit im Ort befunden hat, ist bisher nicht bekannt.

Erst mit anlegen der Salbücher von 1712 erfahren wir mehr über die Rommerzer Müllern.

So steht geschrieben, dass Georg Nüchter die Engelmühle betreibt und Stophel Halbleib die Mittelmühle.

Claus Weber wird auf der Ochsenmühle genannt. Eine weitere Mühle ist nicht offiziell verzeichnet, auch nicht welcher Bauart die Mühlen waren.

Bei der Beschreibung der Wege und Pfade innerorts erfahren wir aus dem Salbuch (1712), dass eine Quelle in Caspar Gärtners Mühlgraben steht. Dieser Caspar Gärtner ist Besitzer des Trittishofes. Dort wurden im Jahre 1954 bei Ausschachtungsarbeiten für ein neues Wohnhaus die Reste einer alten Wassermühle gefunden. Es handelt sich dabei um Teile eines alten Mühlrades. Seit 1739 stand daselbst das inzwischen abgebrochene baufällige Bauernhaus des Besitzers Raimund Möller. Am Flössee, Hs. Nr.3.(heute am Brunnenweg 3). Dies spricht alles dafür, dass sich einst auf dem Lehnsgut eine kleine Mühle befand. Nicht weit vom Hof lag der Pferdsbronn.

Im 19. Jahrhundert wurde die an der Hauswurzer Straße liegende Schlagmühle, in der Öl geschlagen wurde, in Betrieb genommen.

 

Holzbearbeitung durch Zimmerleute

Von Bedeutung für die Holzbearbeitung ist ein Eintrag im Salbuch von 1712, dort findet sich bei der Beschreibung der Hutgerechtigkeit ein Hinweis, dass eine "Zimmerblatte" (Zimmerplatz) unterhalb des Trombergs sei. Dieser Platz dürfte wohl der heutige Bismarkplatz und frühere Scheuerplatz sein, er befindet sich noch auf Rommerzer Gemarkung und liegt am Fliedner- Holzweg.

In manchen gegenden des Vogelsberges wurden die Zimmerleute als "Schemerleute" bezeichnet, so findet mann in Hainzell eine alte Inschrift am Bürgerhaus (ehemals Gasthaus zur Post): 1617 HAT ADEM HOFMANN AVFGERICHT DISEN BAV VND HAT GOT VND DEN MVERN (Maurern) VND SCHEMER LVDEN (Zimmerleuten) WOL VERTRAW AMEN. Die Inschift wurde leider zugeputzt.

Auch gibt es in Deutschland Regionen wo man die Zimmerleute als sogenannte "Scheuerleute" bezeichnete.

Scheuerleute, weil sie sich Scheuern (Unterstände) bauten, um vor Sonne und Regen geschützt zu arbeiten.

Vielleicht auch daher der Name "Scheuerplatz".

Auf einem Zimmerplatz wurden zu dieser Zeit die Baumstämme von den Zimmermännern bearbeitet. Diese nutzten Schrotsägen und Zimmermannsbeilen um das Rundholz zu vierkantigen Balken und Brettern zu formen. Die verwendeten Hölzer waren meist aus Eiche, Kiefer, und Lärche. Das Fichtenholz wie es heute verwendet wird, war eher selten. Dieses war in den umliegenden Wäldern kaum verbreitet. Die ersten Fichten dürften mit der Aufforstung der Fliedener Tannen um das Jahr 1613 gepflanzt worden sein. Ein alter Forstbildstock (Harengelkreuz) im Schwebenerweg berichtet über diese Aufforstung. Er stand ursprünglich weiter südlich am Magdloserweg (eingezeichnet in der Katasterkarte Rommerz Traktus Nr.1 aus dem Jahr 1724, wird im hessischem Staatsarchiv in Marburg aufbewahrt).

Inschrift Bildstock: Johan Friedrich Abbt zu Fült war Als Capar Moritz von Wechmar Gepflanztet hat diese Tannen dar im sechzehen hundert drei zeheden Jar.

 

Begriffserklärung aus dem Mittelhessischen Flurnamenbuch

Zimmer

Zu ahd. zimber, Marterie, Bau, Gelände, Werkzeug', mhd. zimber, zimmer st.N.M. ,Bauholz, Gebäude'. Als Zimmerplatz, frühnhd. zimmerplatz wurden am Waldrand angelegte Flächen bezeichnet, auf denen Bauholz geschnitten und bearbeitet wird. - In Weitershain liegt wegen des Flexions-/s/ eher der FamN Zimmer vor. Ziemlich unklar ist die in Langsdorf schon relativ früh belegte Erweiterung der Zimmerhard durch <man>. Statt, Wald mit Bauholz' ist eine Umdeutung möglich, der mdh. ziemer st. M. ,Krammetsvogel' (Turdus pilaris) zu Grunde liegt, so dass der Wald ursprünglich nach dem Vorkommen (und dem Fang) solcher Drosseln benannt ist.

 

Platte

Zuahd. platta in der Bedeutung ,Steinplatte', mhd. blatte, platte sw. F. ,Fels-, Steinplatte', einer Entlehnung aus mittellat. plat(t)a ,ebene Fläche'. Namensgebend waren ebene oder erhöhte Flächen, baumlose Kuppen und Berghänge sowie breite Felsplatten. Vereinzelt kann es sich auch um kahle Stellen im Wald handeln, die wohl der Köhlerei dienten.

 

Die erste urkundlich genannte Sägemühle

Aus einer alten Akte im Staatsarchiv Marburg erfahren wir, dass im Jahr 1737 ein Johann Heinrich Maul aus Rommerz (Bowelsmühle) einen Antrag bei "Ihrer Hochfürstlichen Gnaden" über eine Konsession eines Mühlbaues stellt. Dies wird ihm auch später bestätigt. Von Intresse ist der Antrag eines seiner Nachfolger auf der Mühle.

So stellt der Müller Valentin Maul in der "Brettermühle" bei Rommerz, im Jahr 1827 einen Antrag bei der Kurfürstlichen Regierung der Provinz Fulda, einen Mahlgang einrichten zu dürfen. Hier haben wir den ersten Beleg für Rommerz, dass eine Sägemühle, wahrscheinlich  seit 1742 vorhanden war.

 

 

mb Beitrag wird fortgesetzt

   
© Heimat und Geschichtsfreunde Rommerz