Eine Wirtshaus mit langer Tradition

  P1010462   Peresch
  Pöresch im Jahre 2021, rechts in dem Anbau war lange Jahre die Postagentur
beheimatet. Im dritten Fenster v. rechts war früher eine Metzgerei von Franz
und Anna Heurich und die beiden großen Fenster, in denen zum Schluß
die Kücher war, war früher ein Edeka Lebensmittelgeschäft.
 

          Pöresch um das Jahr 1900 in 1906 kam der Saalanbau hinzu

 

 

Gestern gab es in Pöresch noch ein gepflegtes Hochstift, heute sind die Türen geschlossen, hier ging ein großes Stück Rommerzer Geschichte zu Ende. Das Gasthaussterben gibt es schon lange, ähnlich wie in der Landwirtschaft, sind es zum einen die Arbeitszeiten welche die jungen Leute davon abhält die Unternehmen weiterzuführen, zum anderen die langen Arbeitsreichen Wochenenden. Seit den 1960 er Jahren des vergangenen Jahrhunderts waren es aber auch die Bürgerhäuser und Vereinsheime welche zu starken Konkurrenten der dörflichen Gastronomie wurden.

                                                                                    
                                                                                      ca. 1908    

 

In der Chronik „50 Jahre Pfarrkirche Maria Himmelfahrt“ schreibt Ralf Atzert zu Pöresch: Pöresch hatte die Hausnummer 47, der Name Peresch/Pöresch wurde abgeleitet vom neuen Hof des Peter = Neupeter/Pöresch.

In Rommerz gab es schon immer zwei Gasthäuser, die damalige Gastwirtschaft Klug, heute Imhof (Zum grünen Baum) und die Gastwirtschaft Auth, später Heurich und heute wieder Auth. So wie in vielen anderen Dörfern auch gehörte auch bei uns in Rommerz die Schule, die Kirche (alte Kirche), und die Gasthäuser mitten in das Dorf und bildeten den Dorfmittelpunkt.

                                                      

 

 

Generationen lang galten die beiden Gasthäuser Wirts und Pöresch als gesellschaftlicher Mittelpunkt des dörflichen Geschehens und als Kommunikationszentrum von Rommerz, die Männer tranken am Abend noch ein Feierabend Bier zusammen und besprachen den vergangenen Tag in geselliger Runde.

Auf eine lange Tradition blickt Pöresch als Dorfwirtschaft zurück, hier wurden Hochzeiten, Kommunionen, Geburtstage, Taufen genauso gefeiert wie man nach Beerdigungen zum Tröster nach Pöresch einlud. In Pöresch hatten mehrere Männerstammtische ihre Heimat, man traf sich meist sonntags nach dem Hochamt und blieb (jedenfalls meistens) bis das Mittagessen Zuhause aufgetragen wurde. Abends wurde oft Skat, Rommé, Mauscheln, Lügenmax, oder auch mal ein Leichenzug gespielt. Genauso hatten die Freunde von Geldspielautomaten, Flipper, Tischfußball, Billard (dieser Tisch stand oben im Saal) oder einer gut sortierten Musikbox in Pöresch ihre Freude. Eine Besonderheit hatte die Gastwirtschaft noch zu bieten, seit das Land Hessen das Rauchverbot für Gastwirtschaften verhängt hatte war Pöresch eine der wenigen Gaststuben in Hessen in welcher noch geraucht werden durfte.

 

 

                                             
     
  Tischfußball wurde in Pöresch auch gespielt  
     

Auch war Pöresch für lange Zeit die Vereinsgaststätte der SG Blau Weiß Rommerz, des Rommerzer Taubenvereins Komm zur Heimat, des Gesangvereins Harmonie Rommerz, des Tischtennisclubs Rommerz, der Pöresch Kickers, aber auch die erste Kegelbahn stand hier in Pöresch als Holzkegelbahn im Hinterhof der Gaststätte.

Das Blasorchester Rommerz traf sich regelmäßig montags nach der Musikprobe in Pöresch bei der Barbara. Die sogenannten Dienstagssänger unter Leitung von Anette Fischer trafen sich einmal im Monat Dienstag zum gemeinsamen Singen von Volksliedern in der Gastwirtschaft.

Es gab im Saal, welcher 1906 erbaut wurde, Fastnachtsveranstaltungen, Tanzabende mit Kapellen, Discos wurden einige Jahre alle 14 Tage freitags veranstaltet. Aber auch die Rommerzer Schule nutzte den Saal, wenn die Klassenräume für die Schülerzahl in den 60 er und 70 er Jahren in der Schule nicht ausreichten wurde kurzerhand der Saal für den Schulunterricht vom Landkreis Fulda angemietet und für den Unterricht hergerichtet. Dies war für ältere Schüler oft anlas den Toilettengang während des Unterrichts noch schnell für eine Runde Flipper in der Gaststätte zu nutzen.

Für die Näherei Engelmann war der Saal Jahrelang Betriebsstätte für ihre Nähmaschinen und zum Zuschneiden der Stoffe, hier fanden viele Rommerzer Hausfrauen einen lukrativen und heimatnahen Arbeitsplatz, später baute die Fa. Engelmann eine eigene Betriebsstätte in der
Bergstraße 50.

 

Im Jahre 1978 wurde sowohl die Gastwirtschaft als auch der Saal nach den Plänen von Wolfgang Hohmann aus Rommerz renoviert, dies wurde aus brandschutztechnischen Gründen und konstruktionsbedingt nötig. Der Saal hatte nach der Renovierung ca. 230 Sitzplätze und eine ausreichend große Tanzfläche, auch wurde eine große Theke und eine neue Toilettenanlage errichtet.

Um das Jahr 1900 gehörte neben der Gastwirtschaft auch ein Kolonialwarenladen, eine große Landwirtschaft und eine Metzgerei zu dem Anwesen. In den 60 er Jahren wurde von dem damaligen Besitzer Augustin Heurich die Metzgerei an seinen Bruder Franz Heurich, der im gleichen Haus mit seiner Familie wohnte, vermietet. Der kleine Laden wurde von Franz und seiner Frau Anna eine Zeitlang auch als Obstgeschäft betrieben.

Im Jahre 1800 war das Anwesen im Besitz einer Familie Nüchter, 1884 wurde es verkauft an die Familie Wehner aus Neuhanse. Im Jahre 1873 kam der Familienname Auth durch die Einheirat aus Mertes nach Pöresch. Als der Besitzer Anton Auth im Jahre 1906 verstarb, es wurde gerade der große Saal gebaut, heiratete Frau Auth geb. Krah, sie stammte aus der Ochsenmühle, im Jahre 1911 den Lorenz Heurich aus Kreißers. Lorenz kümmerte sich besonders um die Landwirtschaft und den Fuhrbetrieb mit Pferden, seine Frau organisierte die Gastwirtschaft, den Kolonialwarenladen und erledigte den eigenen Haushalt.

                                                                 
                           

Text auf der Rückseite der Postkarte:
Gastwirtschaft und Gemischtwarenhandlung
                     L. F. Heurich
(16) Rommerz Kr. Fulda, Ruf Amt Neuhof 196

 

Im Jahre 1951 übernahm der älteste Sohn Augustin Heurich und seine Frau Maria geb. Neidert, sie stammte aus der Sieberzmühle, das Anwesen. Durch das Ehepaar August und Mariechen wurde später an die Gaststätte ein großer Biergarten angebaut, auch wurden Räume für die Rommerzer Poststelle geschaffen und viele Jahre an die Deutsche Post vermietet. Mariechen betrieb über lange Jahre in den Räumen in welchen am Ende die Küche untergebracht war lange Zeit einen Lebensmittelladen der EDEKA Genossenschaft.

Aus der Ehe von Augustin und Maria Heurich gingen die Kinder Walter und Barbara hervor. Walter Heurich verstarb als junger Mann bei einem Autounfall kurz hinter Dorfborn am 27. April 1972. So folgte auf die Wirtsleute Augustin und Mariechen Heurich die Tochter Barbara Auth geb. Heurich welche das Gasthaus bis zum Jahre 2021 betrieb und im Anschluss leider keine familieninternen Nachfolger fand.

 

   
Die Mitte des Dorfes vom Kirchturm gesehen, im Hintergrund Krüz,
Anton Heurich, Spatze und Robert Schad, vor Schnause Haus ist die Bank besetzt.
     Eine Aufführung der Schule vor Pöresch, im Hintergrund Neuhhanse  

 

        

 Das Gebäude im Jahre 2021 kurz vor dem Umbau, linke Ansicht vom der Schule und rechtes Bild von der Pizzeria Amore aus fotografiert. 

 

 

 

 


11.2021
 
rem 112021  

 

   
© Heimat und Geschichtsfreunde Rommerz