Sagen wurden zunächst mündlich weitergereicht, in den hier aufgeführten Volkssagen kommen außergewöhnliche Ereignisse, wie rätselhafte Begegnungen, Unwetter , seltsame Erscheinungen oder übernatürliche Mächte und Wesen vor. Da diese Überlieferungen mit tatsächlichen Begebenheiten, Personen- und Ortsangaben verbunden wurden, entsteht der Eindruck eines Wahrheitsberichts.

Sagen haben den Zuhörer oder Leser in das Grauen, Staunen und Grübeln versetzt, dies Geschieht zum Teil auch heute noch. Auch wurden Sagen aus anderen Gegenden und Dörfern einfach übernommen und mit heimischen Landschaften, Personen und Anspielungen vermischt. Ich glaube die Sage vom „Fuchse Hönnee“ ist ein Beispiel dafür, diese Sage wurde auch auf Rommerz übertragen.

Nachfolgend eine Sammlung von Sagen aus unserer Gegend, die zum Teil aus dem Buch von Paul Schlitzer „Sagen aus Rhön und Vogelsberg“ stammen.

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Expedition um 1920 nach Eisenach, in die Drachenschlucht
von Michael Balzer

Es war einmal vor langer Zeit, da unternahmen fünf tapfere Fräulein aus Rommerz eine Expedition zur Wartburg. Dort angekommen, gingen sie durch eine lange und tiefe Schlucht ohne Namen.  In der Schlucht selbst rauschte ein stolzer Wasserfall der dort seinen Platz hatte. Als der Wasserfall die Fräulein kommen sah, erschrak er so stark, dass er sofort still stand. Ein Fotograf der grade in der Nähe war dokumentiert dies mit einem Foto. Dieses wurde bekannt und die Einheimischen Bürger waren über diesen Vorfall so entsetzt, weshalb sie sagten: „das können nur Drachen gewesen sein, dass unser Wasserfall jetzt weg ist.“

Drachenschlucht Damen    
von links Maria Jöckel geb. Balzer(Bobels Maria aus
Scheiche, .......Völlinger (Birk), ...Schiebner (Nolls),
Martha Schöppner (Schöppnesch, Hannese),
Martha Balzer (Scheiche)
   

 

 

Drachenschlucht in Farbe   Wasserfall Drachenschlucht
 Die Drachenschlucht  bei Eisenach    


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Wozu ein Rosenkranz genützt hat.

Aus dem Fuldaer Historienbüchlein, von Dr. Georg Joseph Malkmus

 
Ungefähr eine Stunde von Flieden nach Schlüchtern hin steht ein jetzt noch ein Markstein, welcher die alte Landesgrenze zwischen dem ehemaligen Fürstenthum Fulda und der Grafschaft Hanau bezeichnet. Drei Schritte von dieser Grenze auf Hanauischem Grund und Boden fand man eines Tages die Leiche eines fremden, unbekannten Mannes.

Die Untersuchung ergab, daß weder ein Selbstmord noch eine weitere Gewaltthat stattgefunden hatte. Wahrscheinlich war der Mann eines plötzlichen Todes gestorben. Papiere hatte er nicht bei sich, aus denen man hätte ersehen können, wer und woher er war und welcher Konfession er angehörte. Es entstand nun die Frage, wohin die Leiche beerdigt werden solle.

Da sie auf Hanauischem Gebiete gefunden worden war, so hatte der Pfarrer von Schlüchtern das Recht, die Bestattung auf seinem Todtenhof vorzunehmen. Aber man fand in der Tasche des Verlebten einen Rosenkranz und hielt diesen für ein sicheres Zeichen, daß der Mann der katholischen Konfession angehöre. Deshalb beerdigte ihn der Pfarrer von Flieden nach katholischem Ritus auf dem dasigen Gottesacker und las für die Seelenruhe des Verlebten eine heilige Messe. Das war eine Wohltat, die diese im Leben gewiß sehnlichst gewünscht und zu der ihm nur der Rosenkranz, welchen er bei sich führte, verhofen hat. Um übrigens weitere Kosten zu sparen, war die Leiche sammt den Kleidern ohne Sarg in das Grab gesenkt worden

Am 8. Juni 1729 unter Adolf von Dalberg kam die Reihe des Umgrabens bei der Beerdigung des Wirthes Bernhard Haas von Fliedne wieder an dieses Grab. Plötzlich rief Einer der Grabmacher aus: „Ich hab ein Goldstück gefunden!“ Darauf ein Anderer: „Ich auch!“ und ein Dritter: „ Ich auch!“ und als sie mit der Arbeit fertig waren, hatten sie in dem Grabe im Ganzen 83 Dukaten gefunden. Wie war das Geld dahin gekommen? Ohne Zweifel hatte der fremde Mann diese Goldstücke, um sie vor Räubern zu sichern, die damals nichts Seltenes waren, in seine Kleider genäht, und da er ohne nähere Untersuchung samt seiner Kleidern beerdigt worden war, so waren sie mit in das Grab gekommen. Was gab es nun mit dem Gelde? Die Finder brachten es dem Pfarrer und dieser stellte es dem Fürsten zu. Constantin von Buttlar hatte in den Jahren 1718 und 1719 die Pfarrkirche zu Flieden neu erbaut und vollendet, nur fehlten darin noch die zwei Seitenaltäre; sein Nachfolger Adolf von Dalberg ließ diese Altäre in schönem Gipsmarmor herrichten und verwandte dazu das aufgefundene Geld.


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Keiner sprach ein Wort

Es war in den achtziger Jahren des Neunzehnten Jahrhunders, als zwei Männer aus Rommerz, Vater und Sohn, ein seltsames Erlebnis hatten, von dem sie noch lange erzählten. Beide arbeiteten im Wald; der Vater war Haumeister und Teerbrenner. Eines Tages, als die anderen Waldarbeiter schon Feierabend hatten und nach Hause gegangen waren, blieben die beiden länger, um noch Kienstöcke für den Teerofen zu roden.

Erst als es dunkel wurde, machten sie sich auf den Heimweg. Wie sie nun auf der Höhe 400,5 dem sogenannten "Schwarzen Gäulchen" waren, kam ein starker Wind auf, der zum Sturm anwuchs. Die Bäume bogen sich fas bis zur Erde. Es heulte, bellte und johlte, dass den beiden Heimkehrern angst und bange wurde. Der Sohn rief in dieses Toben hinein: "Vater, was ist das nur?" - "Das ist der wilde Jäger", erhielt er zur Antwort, "bete", Junge, dass alles gut vorübergeht!" Und wirklich, es dauerte gar nicht lange, da legte sich der Sturm, und das Heulen und Bellen war vorbei. Nur noch aus weiter Ferne vernahmen die beiden das wilde Jagen.

Sch.Guelle  
        Die Flur "das schwarz Gülle"  im Rommerzer Wald  

 

Erst als es dunkel wurde, machten sie sich auf den Heimweg. Wie sie nun auf der Höhe 400,5 dem sogenannten "Schwarzen Gäulchen" waren, kam ein starker Wind auf, der zum Sturm anwuchs. Die Bäume bogen sich fas bis zur Erde. Es heulte, bellte und johlte, dass den beiden Heimkehrern angst und bange wurde. Der Sohn rief in dieses Toben hinein: "Vater, was ist das nur?" - "Das ist der wilde Jäger", erhielt er zur Antwort, "bete", Junge, dass alles gut vorübergeht!" Und wirklich, es dauerte gar nicht lange, da legte sic hder Sturm, und das Heulen und Bellen war vorbei. Nur noch aus weiter Ferne vernahmen die beiden das wilde Jagen.

Eiliger als sonst gingen sie nach Hause, abe unterwegs sprachen sie kein Wort, so sehr hatte sie das Erlebnis mit dem wilden Jäger beeindruckt.

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Das „Fuchse Hönnee“

Sooft bei den älteren Fliedenern die Rede vom Pfarrer Riemenschneider geht, immer wird mit ihm eine Gegebenheit in Verbindung gebracht, von deren Tatsächlichkeit die einen überzeugt sind und welche die anderen als ein „Ammenmärchen“ abtun:

In einer Christnacht, während der Mette, hatte ein Mann vom Keutzelbuch einen Hasen geschossen. Zu Hause angekommen, legte er das tote Wild ab. Doch da verwandelte sich der vermeintlich tote Hase in einen schwarzen Hund, der den Mann nicht mehr losließ. Alle Anstrengungen, die der nächtliche Schütze in den nächsten Tagen unternahm, um den Hund loszuwerden, waren erfolglos. Das Tier folgte ihm auf Schritt und Tritt. Da bekam es der ständig Verfolgte mit der Angst zu tun. Er glaubte sich vom Teufel persönlich beschattet und ließ den Fliedener Pfarrer Riemenschneider rufen. Dieser bat den Gastwirt Martin Weber (Hasenwirt), er möchte ihn mit seiner Kutsche zum Keutzelbuch fahren. Martin sagte zu und hieß den Pfarrer einzusteigen . Auf der Höhe angekommen, schlug der Pfarrer sogleich das Rituale auf, um dne Exorzismus zu beten, womit er den Teufel vertreiben wollte. Nur unter größter Anstrengung konnte der besessene Hund in den Keller des Hauses gedrängt werden, aus dem er nicht mehr hinauszubringen war. In letzter Not stülpte man hier dem Tier einen Eimer über und mauerte ihn so an Ort und Stelle einfach ein.

Pfarrer Riemenschneider saß nun wieder mit seinem Kutscher auf und trat den Heimweg an. Dabei wurde das Gefährt derart vom Wind erfaßt, daß es bald nach rechts und bald nach links umzukippen drohte. Die bösen Geister hatten sich der Naturgewalt bedient, um sich an dem Pfarrer zu rächen. Pfarrer Riemenschneider soll unter diesem Erlebnis bis zu seinem Tode sehr gelitten haben. Warum der Hund den Namen „Fuchse Hönnee“ erhalten hat, konnte nicht festgestellt werden.


Amtmann Schärlämmer

Im Schloss Neuhof gibt es ein Gemach, wo der Geist des Amtmannes Schärlämmer umgehen soll. Ihm wird nachgesagt, dass er in den Akten immer gestrichen und geändert habe. Er habe niemals, so wird versichert, das Recht im Auge gehabt, sondern nur nach Neigung geurteilt. Der Geist Schärlämmers wurde dann durch einen Pater gebannt.


Ohrfeige für den Zimmermann

Ein Zimmermann aus Neuhof arbeitete auf dem Vorwerk Nonnenrod. Als er eines Abends nach Hause ging und in die Nähe des tiefen Born am Kahlberge kam, huschte eine weiße Gestalt in den tiefen Wagengleisen vor ihm her. Die Gestalt entfernte sich etwas, kam wieder näher und begleitete den Zimmermann bis nach Neuhof. Als er zu Hause ankam und den Fuß auf die Treppe setzte, bekam er plötzlich rechts und links eine derbe Ohrfeige, ohne jemand zu sehen. Die Gestalt aber war verschwunden.



Die "Schwedenlöcher" im Kemmetetal

Geht man von Rommerz die Straße nach Hauswurz, so sieht man zur linken Seite ein schönes Wiesental, das weiter oben von Kiefern- und Buchenwäldern umsäumt ist. Ein kleiner Bach, die Kemmete, durchzieht das mit Hecken und Bäumen geschmückte Tal. Im Frühjahr, wenn der Schnee in den anliegenden Wäldern und Bergen schmilzt, wird er zu einem reißenden Wildwasser.

Vögel aller Art finden hier noch alles, was sie brauchen. Im oberen Kemmetetal liegen einige Mühlen. Auf der linken Seite, auf halbem Wege nach Hauswurz, sieht man hügeliges Waldgelände mit tiefen Geländefalten. Im Volksmund heißen sie heute noch die "Schwedenlöcher".

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                                 Kemmetewiesen  



Hier hatten sich nach der Sage zu Ende des Dreißigjährigen Krieges drei versprengte schwedische Reiter versteckt. Zu damaliger Zeit wurde der Wald noch nicht so durchforstet wie heute; es gab daher gute Möglichkeiten, sich zu verbergen. Diese drei Schweden hatten es auf das Brot abgesehen, dass in der unteren Mühle gebacken wurde. Rauchte der Backofen, dann brauchten sie nur einige Stunden zu warten, bis sie das frisch gebackene Brot abholen konnten. Das ging einige Male gut. Da verlegten die Müllers Leute dann das Backen auf einen Sonntag. Aber auch das hatten die Schweden gemerkt. Als die Müllers Leute die Räuber wieder ankommen sahen, verließen sie das Haus und liefen nach dem nahe gelegenen Hauswurz, wo gerade die Sonntagsmesse zu Ende war. Alle Männer bewaffneten sich mit Geräten aller Art. Eilig ging es zur Mühle, in der die Schweden eingekreist und nach langem Kampf niedergemacht wurden. Bei diesem Kampf soll die Mühle abgebrannt sein.

Nicht weit von der Stelle, wo die Schweden starben, sollen sie auch ihre Ruhestätte gefunden haben.  

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                          Die Kemmete                                     Die Kemmete
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                                   Das  Kemmeteufer                                          Das Kemmeteufer     
       


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Das Goldloch bei Hauswurz

Im Dreißigjährigen Krieg, als rohe Soldateska auch in den Vogelsbergdörfern kam, verbargen viele Bauern ihr kostbarstes Gut. Nur die Hauswurzer wußten nicht, wo sie ihr Geld vergraben sollten. In ihrer Not gingen sie zu einer sehr unbeliebten, aber klugen Frau, die allgemein als „Hexe“ galt. Gegen hohe Belohnung wollte sie einen sicheren Ort für den Hauswurzer Schatz ausmachen.

Von zwei kräftigen Burschen ließ sie etwa zwei Kilometer vom Orte entfernt einen tiefen Schacht graben. In diese Grube stellte sie einen großen Tontopf, in den sie schon vorher Geld gelegt hatte. Der Schacht wurde wieder zugeschüttet, und die Menschen gingen nach Hause. Nach etwa zwei Stunden erschien das Weib wieder, warf sich an der Stelle, wo der Geldschatz lag, auf die Erde und sprach dunkle, geheimnisvolle Beschwörungen. Dann ging sie beruhigt nach Hause.

Viele Jahre später, als die Hexe schon tot war, glaubte niemand so recht mehr an den vergrabenen Goldschatz. Eines Abends jedoch hörten drei Freunde von der Geschichte, und sie beschlossen, an der angegebenen Stelle nach zu graben. Am Abend gingen sie heimlich zum „Goldloch“. Im Schweiße ihres Angesichts drangen sie immer tiefer in das Erdreich, und immer beschwerlicher war das Hinauswerfen der abgehackten Erde aus dem Schacht. Schon wollten sie aufhören, als plötzlich die Hacke des einen Freundes den Deckel des Topfes freilegte. Ohne ein Wort zu sprechen, schlangen sie Taue um den Topf und zogen mit aller Macht, um den Schatz zu heben.

Sage3  
   

Es ging sehr langsam, doch schließlich brachten die drei Schatzgräber den Topf fast nach oben. Schon wähnten sie, es sei alles gelungen, als der Topf mit unheimlichem Gepolter in den Boden einschlug. Er blieb verschwunden. Beim letzten Anziehen hatte einer der Freunde seinen beiden Kameraden „hau ruck“ zugerufen.

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Der „schneeweiße Hirsch“ von Flieden

Leonhard wohnte im alten „Königreich“ Flieden das früher von dichten wildreichen Wäldern bedeckt war. Da er eine große Familie mit zwölf Kindern zu ernähren hatte, war daheim trotz seiner fleißigen Arbeit Schmalhans Küchenmeister. Leonhards bester Freund Christoph besaß wohl weniger Kinder, befand sich aber dessen ungeachtet in der gleichen üblen Lage, und Frau Sorge wollte und wollte nicht von seiner Schwelle weichen. Dazu waren es schlimme Zeiten, denn der Feind rumorte im Land und forderte hohe Kontributionen. Schließlich nahm die Not in den beiden Familien so krasse Formen an, dass die Väter den Entschluss fassten, durch Wilddieberei ihre Einkünfte zu mehren. Bei ihrem lichtscheuen Gewerbe gingen sie sehr klug zu Werke, und es bestand kaum die Gefahr. entdeckt zu werden.

Sage  
Die "Fliedner Tannen" heute nur noch ein kleines Stück Wald
zwischen Rommerz und Flieden.
 

Wieder einmal weihnachtete es. Bei einem nächtlichen Pirschgang stießen Christoph und Leonhard auf einen Zwölfender. Diesmal entging er noch einmal ihren Kugeln. Aber sie wollten ihn in der nächsten Nacht – es war Heilige Abend – zur Strecke bringen. In letztere Minute jedoch sagte Leonhard seine Beteiligung an diesem Jagdabenteuer ab; er wollte seine Familie am Heiligen Abend nicht alleine lassen. Freund Christoph war hingegen vom Jagdfieber so gepackt, dass er den einmal gefassten Vorsatz nicht aufgeben wollte. So schlich er allein am Heiligen Abend durch die „Fliedner Tannen“ am Schwebener Weg.

Feierlich läuteten die Glocken der Kirchen in Flieden und Rommerz zur Christmette. Da lächelte Christoph das Glück: Der gesuchte Zwölfender stand plötzlich vor ihm, so dass er ihn leicht abknallen konnte. Schnell riss der Wildschütz das Gewehr an die Backe und zielte mit ruhiger Hand. Doch das Tier stürzte nicht blutüberströmt zusammen, wie Christoph erwartet hatte, sondern es blieb ganz ruhig stehen und schaute den Schützen mit großen Augen furchtlos an. Christoph schoss ein zweites und drittes Mal, aber wiederum blieb das Tier wie erstarrt stehen, als seien die Kugeln wie an einer gepanzerten Haut abgeprallt. Es schritt dann gravitätisch auf den Wilderer zu, wobei es plötzlich eine schneeweiße Farbe bekam, erfasste ihn mit seinem Geweih und schleuderte den von Entsetzten gepackten Jäger in die nahe Waldlichtung.

Kaum hat sich Christoph von seinem Schrecken erholt rannte er, so schnell ihn die Beine trugen, nach Hause. Der weiße Hirsch war im dunklen Tann verschwunden.

Christoph erzählt seinem Freund noch in derselben Nacht sein ungewöhnliches Erlebnis, und beide gelobten von Stund an nicht mehr zu wildern.

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Das unheimliche Eichig

Nicht recht geheuer, so erzählt man sich, ging es im Eichig, einem kleinen Wäldchen in der Nähe von Tiefengruben zu. Allerlei Spukgeschichten kursieren unter den Bewohnern der Gegend.

Etwa um die Jahrhundertwende stand neben der Bahnstrecke Frankfurt – Bebra in der Nähe von Tiefengruben ein kleines Bahnwärterhäuschen, in dem ein rechtschaffender Bahnwärter seinen Dienst versah. Um die Mittagszeit brachte seine Tochter ihm zumeist das Essen von zu Hause. Das Mädchen benutzte auf ihrem Weg zu dem Bahnwärterhäuschen eine Abkürzung, die durch das Waldstück, das das Eichig genannt wird, verlief. Der leicht ausgetretene Fußpfad führte dicht an der Bahnstrecke entlang.

Das Mädchen schritt wieder einmal ihrem Ziel zu. Aus dem nahen Dorf ertönten die Glocken, denn es war Mittagszeit der Engel des Herrn wurde geläutet. Mit dem ersten Glockenklang erschien urplötzlich neben dem jungen Mädchen, in zwei bis drei Meter Abstand, ein Soldat, der keinen Ton von sich gab. Als der letzte Glockenschlag verklungen war, verschwand auch der unheimliche Begleiter, wie vom Erdboden verschluckt, und ward nicht mehr gesehen. Natürlich erzählte das zutiefst erschrockene Mädchen ihr Erlebnis dem Vater. Die Leute in Tiefengruben ließen sich auch die Sache durch den Kopf gehen, und da im Eichig schon mehr unheimliche Dinge erlebt wurden, hatte man auch bald eine Erklärung zur Hand.

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Im Jahre 1813, als Napoleon mit seiner geschlagenen Armee durch das Land zog, kamen die Soldaten auch in unsere Gegend. Halb wahnsinnig vor Hunger und Durst machten sich die ausgemergelten Gestalten über den ungebackenen Brotteig, der vor dem Backhaus stand, her, und verschlangen ihn eilends. Die Warnung der Tiefengrubenern Backfrauen, den Teig doch nicht roh zu verspeisen, schlugen die fast Verhungerten in den Wind. Und wie es nicht anders kommen konnte, starben viele von ihnen. Die Leichen wurden ohne viel Federlesen in dem nahen Eichig begraben. Der eine oder andere dieser Soldaten zeigt sich hin und wieder, wenn zum Engel des Herrn geläutet wird.


Der wilde Jäger am Juden Kuppel

Der Juden Kuppel, ein Fichtenwäldchen mit sehr steinigen Untergrund, liegt zwischen Hosenfeld und Blankenau. Hier soll es nicht immer ganz geheuer sein. So erzählt ein alter Metzger, daß er einmal von Hosenfeld in nächtlicher Stunde nach Hause ging und plötzlich in einiger Entfernung das Bellen eines Hundes vernahm. Das Hundegebell verstärkte sich , gleichzeitig erhob sich ein starker heulender Wind, so dass sich die Hecken fas bis zur Erde beugten. Aus dem Bellen und Heulen heraus rief eine Stimmer immer wieder die gleichen Laute „Heula, heula, heula!“ Das ganze Getöse zog an dem geängstigten Heimkehrer vorüber, die „Nasse Struth“ hinunter.




Der Seekasperstein

Im Giesler Wald steht ein Gedenkstein der „Seekasperstein“ genannt. Dort soll ein Spuk, der „Seekaspar“ in Tracht eines Landsknechtes des 30jährigen Krieges, umgehen und die Leute so sehr in der Irre herumführen, dass sie sich oft bis morgens nicht zurechtfinden können. Über den Stein und den Spuk wird noch folgendes erzählt:

Im Schwedenkrieg hielt sich in Fulda ein kriegserfahrender Landsknecht auf, der sich große Schätze erworben hatte. Sein Name war Seekaspar. Da die Stadt Fulda zu jener Zeit gerade einen tüchtigen Hauptmann für ihr Kriegsvolk brauchte, so gab sie dem Seekaspar die Stelle. Damals geschah es auch, dass ein lutherischer Pfarrer mit eine bildschönen Tochter nach Fulda zog. Stadthauptmann hatte von Stund an weder Ruhe noch Rast. Da er selbst ein schmucker Mann war und die Jungfrau Gefallen an ihm fand, so wurden die beiden durch den Vaters Segen bald ein Paar.

Da kam der Friedensschluss von Osnabrück. Der Hauptmann musste abdanken und mitsamt seinem Schwiegervater, da sich Fulda dem römischen-katholischen Glauben zugewandt hatte, die Stadt verlassen. Lange Jahre nachher treib es ihn, der trotz der Liebe zu seinem Weibe doch immer Katholik geblieben war, zum Grabe des heiligen Bonifatius nach Fulda zu wallen.

Sein treues Weib wollte ihn nicht verlassen und wanderte mit. Auf der Reise aber soll es zwischen beiden zu einem heftigen Wortwechsel wegen der verschiedenen Auffassungen in Glaubenssachen gekommen sein. Im Giesler Wald erboste sich Seekaspar an der Stelle, wo jener Stein später gesetzt wurde, dermaßen, dass er das Schwert zog und die Frau tötete. Zur Strafe muss er nun seit jener Zeit dort umgehen.


Seekaspar  
      Seekasparstein im Wald zwischen  der Sieberzmühle und Rommerz  



               Gedicht vom Seekasper  
   
"Im Gies`ler Wald, da steht ein Stein,
Den meidet nachts man ungemein;
Seekaspar, sagt man, führe stumm
Den Wand`rer in der Irr`herum
Saumulde 
   
Im Schwedenkrieg, ein Landsknecht war,
Von ächter Sorte Seekaspar.
Aus mancher Plün`rung, manchen Strauß
Bracht er erbeutetes nach Haus
 Distriktstein
   
In Fulda galt ein solcher Mann
Zur Kriegszeit viel, darob Hauptmann,
Weil Kriegs-Handwerk er wohl verstand,
Vom Magistrat ward er ernannt
 seekaspar b
   
Den Glauben man gewechselt hat
Nach Luthers Lehre in der Stadt;
Darauf hat sich ein Prädikant
Nach Fulda allsogleich gewandt
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Seekaspar dessen Tochter sah.
Er wusste nicht, wie ihm geschah;
Am Tag fand er keine Ruh
Und schloß des Nachts kein Auge zu
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Wohin er blickte, sah er nur
Des holden, lieben Mädchens Spur;
Hoch ihm das Herz im Busen schwoll,
Bis seine Lippen überquoll
 
   
Zum Vater war er hingerannt.
Der Tochter bot er Herz und Hand;
Als reicher Freier Seekaspar
Dem Vater sehr willkommen war.
Der Vater segnete die Braut
 
   
Und hat sie später auch getraut.
Der raue Krieger Seekaspar
Mit Tinchen wurde so ein Paar
 
   
Der Friedensschluss zu Osnabrück
Zerstörte beider Liebesglück.
Er Katholik, sie Protestant,
Verlassen mussten Stadt und Land
 
   
Gar mancher seinen Glauben lässt;
Nie treue Liebe auf sich lös`t.
Das Paar, allein sich angehört,
Verborgen lebte ungestört
 
   
Der Glaubenslehre arger Streit
Die Herzen beider doch entzweit,
Seekaspar`n drängt`s als Katholik
Zu Winfrieds Grab nach Fuld`zurück
 
   
Sein Weibchen gibt ihm das Geleit
Doch unterwegs entspann sich Streit
In Glaubenssachen, widerlich!
Der Mann vor Wut nicht kannte sich
 
   
Sie steigerte sich dergestalt
Zur Raserei im dichten Wald,
Daß Kaspar, der noch Waffen trug,
Sein Weib damit zu Boden schlug
 
   
Am Platze, wo dies ist gescheh`n
Wir ein Stein errichtet seh`n.
Seekaspar aber selbst ein Geist,
Dabei nun wandert, wie es heißt."
 Seekaspara
   
Quellennachweis: Heimat und Geschichtsgruppe im
Turnverein Prinz Eitel 1912 e.V. Hauswurz
 




Wie der „Vögels Heini“ dem Teufel begegnete

In Mittelkalbach lebte vor über 100 Jahren ein schlichtes Bäuerlein, das man „Vögels Heini“ nannte. Dieser Spitzname passte sehr gut zu seinem Nebenberuf, denn er war ein leidenschaftlicher Vogelsteller. Er verstand es meisterhaft, die „Rotbrüsti“ (Rotkehlchen) zu fangen, die er dann in mühseligem Training ein Liedchen lehrte. Die Vogelstellerleidenschaft entbrannte so gewaltig im Herzen des „Vögels Heini“, dass er die religiösen Tradition seiner Väter missachtete. So nahm er einmal in mitternächtlicher Stunde, als die Glocken der Dorfkirche feierlich zur Christmette läuteten, trotz Warnungen seiner Frau sein Sieb, steckte reichlich Futter in seine Manteltasche und ging zum nahen Wald, wo er einen dichten Fichtenhain aufsuchte. Der reichlich gefallene Schnee machte es dem Vogelsteller leicht, sein Ziel zu finden, den Rotkehlchen aber schwer, das Futter herauszuscharren.

Heinis Herz pochte hoffnungsfroh, als er Stimmen der gefiederten Sänger vernahm. Rasch wurde das Sieb auf einer etwas baumfreien Fläche schief aufgestellt und durch ein Hölzchen gestützt, woran eine lange Schnur befestigt war. Mit dem Ende der Schnur eilte Heini dann hinter einen dicken Fichtenstamm, nachdem er reichlich Futter in das kleine Gefängnis gestreut hatte. Durch eine schmale Lichtung floss spärliches Mondlichtung. Zunächst schwang sich ein Rotkehlchen herab, um das Futter unter dem Sieb aufzupicken. Ein zweites folgte. Zuletzt rauschte eine große Schar hungriger Vögle von den verschneiten Fichtenzweigen herab, um diesem Beispiel zu folgen. Schon wollte Heini an der Schnur ziehen, um die Vögel zu Gefangenen zu machen, da hörte er hinter sich ein leises Geräusch: „Der Teufel soll den holen, der mich stört“, knurrte er wütend durch die Zähne und wandte sich, langsam erhebend, um. Was er aber jetzt sah, ließ fas sein Blut erstarren. Vor ihm stand, ihn um Kopfes länge überragen, auf Pferdefüßen oder Stelzbeinen, mit Hörnern auf dem glutäugigen Kopf, der Teufel. Dieser furchtbare Anblick war für Heini so erschütternd, daß er kein Wort über die Lippen brachte. Als die gelähmten Lebensgeister langsam wiederkehrten, rannte der Vogelsteller, von Angst getrieben, dem Waldausgang zu. Mehrere Wochen lag er, von heftigen Fiebern ergriffen, krank darnieder. Durch die heilkräftigen Tee Kuren der damals weit bekannten Kräuterfrau wurde er wieder gesund.

Keine Macht der Welt hat den „Vögels Heini“ jemals wieder dazu verleitet, in der Heiligen Nacht auf Vogelfang zu gehen.




Wie Flieden vor einer Zerstörung bewahrt wurde

Das fuldische Höhendorf Veitsteinbach war lange vor dem Dreißigjährigen Krieg zu einer Wüstung geworden. Vermutlich war der Ort durch fremde Soldateska zerstört worden. Man weiß indes nichts über die Herkunft dieser Soldaten, noch in wessen Auftrag sie handelten. In Flieden jedoch erzählt man sich, dass damals eigentlich nicht Veitsteinbach, sondern ihr Dorf in Schutt und Asche gelegt werden sollte.

Das aber kam so: Die Krieger hatten bei Nacht vom Kinzig Tal her den Landrücken überwunden und stiegen am frühen Morgen in die Talsenke Flieden hinab, das von einer dichten Nebeldecke eingehüllt und deshalb nicht zu sehen war. Unmittelbar vor den ersten Häusern des Dorfes – es soll in der Nähe des früheren Auensteiges bei der heutigen Tankstelle Vormwald gewesen sein – traf der Anführer auf eine Frau, die dort in aller Frühe ihre Wäsche am Bach auswusch. Diese Frau fragte der Krieger im rauen Tonfall, wo Flieden liege und wer der Patron des Dorfes sei. Die Wäscherin gab ihm folgende Antwort, die in der örtlichen Mundart überliefert wird: „Dr Patron is dr heilich Gewehr (d. r. Goar), där sätzt siech scho zur Wehr! Un ihr weärd seän, ihr weärd Fliere net zerstörn!“ Darauf eilte der verblüffte Hauptmann zu seinem Haufen zurück, ließ kehrtmachen, und sie zogen die Anhöhe hinauf nach Veitsteinbach, das an jenem Tag in Flammen aufging.



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© Heimat und Geschichtsfreunde Rommerz