Das Goldloch bei Hauswurz

Im Dreißigjährigen Krieg, als rohe Soldateska auch in den Vogelsbergdörfern kam, verbargen viele Bauern ihr kostbarstes Gut. Nur die Hauswurzer wußten nicht, wo sie ihr Geld vergraben sollten. In ihrer Not gingen sie zu einer sehr unbeliebten, aber klugen Frau, die allgemein als „Hexe“ galt. Gegen hohe Belohnung wollte sie einen sicheren Ort für den Hauswurzer Schatz ausmachen.

Von zwei kräftigen Burschen ließ sie etwa zwei Kilometer vom Orte entfernt einen tiefen Schacht graben. In diese Grube stellte sie einen großen Tontopf, in den sie schon vorher Geld gelegt hatte. Der Schacht wurde wieder zugeschüttet, und die Menschen gingen nach Hause. Nach etwa zwei Stunden erschien das Weib wieder, warf sich an der Stelle, wo der Geldschatz lag, auf die Erde und sprach dunkle, geheimnisvolle Beschwörungen. Dann ging sie beruhigt nach Hause.

Viele Jahre später, als die Hexe schon tot war, glaubte niemand so recht mehr an den vergrabenen Goldschatz. Eines Abends jedoch hörten drei Freunde von der Geschichte, und sie beschlossen, an der angegebenen Stelle nach zu graben. Am Abend gingen sie heimlich zum „Goldloch“. Im Schweiße ihres Angesichts drangen sie immer tiefer in das Erdreich, und immer beschwerlicher war das Hinauswerfen der abgehackten Erde aus dem Schacht. Schon wollten sie aufhören, als plötzlich die Hacke des einen Freundes den Deckel des Topfes freilegte. Ohne ein Wort zu sprechen, schlangen sie Taue um den Topf und zogen mit aller Macht, um den Schatz zu heben.

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Es ging sehr langsam, doch schließlich brachten die drei Schatzgräber den Topf fast nach oben. Schon wähnten sie, es sei alles gelungen, als der Topf mit unheimlichem Gepolter in den Boden einschlug. Er blieb verschwunden. Beim letzten Anziehen hatte einer der Freunde seinen beiden Kameraden „hau ruck“ zugerufen.

 rem 22016

   
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