Wie der „Vögels Heini“ dem Teufel begegnete

In Mittelkalbach lebte vor über 100 Jahren ein schlichtes Bäuerlein, das man „Vögels Heini“ nannte. Dieser Spitzname passte sehr gut zu seinem Nebenberuf, denn er war ein leidenschaftlicher Vogelsteller. Er verstand es meisterhaft, die „Rotbrüsti“ (Rotkehlchen) zu fangen, die er dann in mühseligem Training ein Liedchen lehrte. Die Vogelstellerleidenschaft entbrannte so gewaltig im Herzen des „Vögels Heini“, dass er die religiösen Tradition seiner Väter missachtete. So nahm er einmal in mitternächtlicher Stunde, als die Glocken der Dorfkirche feierlich zur Christmette läuteten, trotz Warnungen seiner Frau sein Sieb, steckte reichlich Futter in seine Manteltasche und ging zum nahen Wald, wo er einen dichten Fichtenhain aufsuchte. Der reichlich gefallene Schnee machte es dem Vogelsteller leicht, sein Ziel zu finden, den Rotkehlchen aber schwer, das Futter herauszuscharren.

Heinis Herz pochte hoffnungsfroh, als er Stimmen der gefiederten Sänger vernahm. Rasch wurde das Sieb auf einer etwas baumfreien Fläche schief aufgestellt und durch ein Hölzchen gestützt, woran eine lange Schnur befestigt war. Mit dem Ende der Schnur eilte Heini dann hinter einen dicken Fichtenstamm, nachdem er reichlich Futter in das kleine Gefängnis gestreut hatte. Durch eine schmale Lichtung floss spärliches Mondlichtung. Zunächst schwang sich ein Rotkehlchen herab, um das Futter unter dem Sieb aufzupicken. Ein zweites folgte. Zuletzt rauschte eine große Schar hungriger Vögle von den verschneiten Fichtenzweigen herab, um diesem Beispiel zu folgen. Schon wollte Heini an der Schnur ziehen, um die Vögel zu Gefangenen zu machen, da hörte er hinter sich ein leises Geräusch: „Der Teufel soll den holen, der mich stört“, knurrte er wütend durch die Zähne und wandte sich, langsam erhebend, um. Was er aber jetzt sah, ließ fas sein Blut erstarren. Vor ihm stand, ihn um Kopfes länge überragen, auf Pferdefüßen oder Stelzbeinen, mit Hörnern auf dem glutäugigen Kopf, der Teufel. Dieser furchtbare Anblick war für Heini so erschütternd, daß er kein Wort über die Lippen brachte. Als die gelähmten Lebensgeister langsam wiederkehrten, rannte der Vogelsteller, von Angst getrieben, dem Waldausgang zu. Mehrere Wochen lag er, von heftigen Fiebern ergriffen, krank darnieder. Durch die heilkräftigen Tee Kuren der damals weit bekannten Kräuterfrau wurde er wieder gesund.

Keine Macht der Welt hat den „Vögels Heini“ jemals wieder dazu verleitet, in der Heiligen Nacht auf Vogelfang zu gehen.



   
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