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 Neuhof – Ellers nahm Untertage-Bandanlage in Betrieb

 

Als letztes der drei hessischen Kaliwerke hat Neuhof Ellers im Februar 1972 seine Streckenförderung unter Tage vollständig auf Bandbetrieb umgestellt und den gleisgebundenen Rohlsalztransport mit Grubenlokomotiven und Förderwagen aufgegeben. 5,6 Kilometer lang ist die zur Zeit betriebene Hauptbandanlage. 3,5 Jahre Bauzeit beanspruchte die abschnittweise Herstellung der neuen Band- und Wetterstrecke; die Investition der gesamten Anlage erforderte 4,5 Millionen DM.

Die kombinierte Band- und Wetterstrecke ist das Rückgrat der neuen Anlage. Sie hat einen Querschnitt von 36 Quadratmetern, nimmt alle Abwetter aus den Revierstrecken auf und führt sie dem ausziehenden Schacht Neuhof zu.Zur Verstärkung des Wetterstroms ist seit dem 10. Juni ein neuer Hauptgrubenlüfter in Betrieb, der mit einer geplanten Leistung von 14 000m³/min den bisherigen Lüfter mit 9 000 m³/min ersetzt. Die alte Lokförderung war den gestiegenen Fördermengen des Werkes nicht mehr recht gewaschen, zumal sie eingleisig mit Ausweichstellen betrieben werden mußte und im Vergleich zur Bandförderung nicht wirtschaftlich genug war.

1975 ca   E Lok u T              1970 ab   Bandförderanlage u T    
                  E-Lok unter Tage                                                                                              Die Bandanlage                       

Im Dezember 1970 wurde der letzte Schrapper im Abbaubereich aus dem Betrieb gezogen. Von da an erfolgte die Abbauförderung ausschließlich mit gleislosen Dieselfahrzeugen (Frontschaufelader). Die Lader geben das Rohsalz auf Panzerförderer auf, die mit Durchlaufbrechern ausgestattet sind. Das bandgerecht zerkleinerte Fördergut wird danach von den Zubringerbändern übernommen und im neuen Fördersystem an den Übergabestellen auf das Hauptband geleitet. Früher hatten die Zubringerbänder das Salz in die Füllstellen der Lokförderung ausgetragen. Im Mai 1971 wurden die Bänder 1 und 2 der Hauptbandanlage in dem geradeaus in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Streckenabschnitt in Gang gesetzt. Für eine Übergangszeit von 2 Monaten lief neben diesen Bändern auch noch die Lokförderung her, weil man in der Anlaufperiode der Bandanlage keinen Förderausfall riskieren wollte.

Mit verstärktem Einsatz aller Kräfte wurde dann bis zum vorgefassten Termin (1. Februar 1972) die restlichen Band-Wetter-Strecke von 2 km Länge aufgefahren und das Förderband nebst Antrieb und Umkehre montiert. Das war nur mit kurzfristig eingestellten Unternehmer-Arbeitskräften zu schaffen. Auch stellten das Werk Salzdetfurth einen 20-t Teletruck, das Werk Wintershall einen Schaufellader und ein Sprengfahrzeug dafür zur Verfügung.

1970   Brecheranlage                              Alter Grubenlüfter 

Brecheranlage                                                                                        Grubenlüfter

An einem Verlängerten Wochenende im Januar 1972 wurden die Füllortanlage des Schachtes Neuhof umgebaut und die Bänder angeschlossen. Das erfolgte so reibungslos und exakt, daß bereits einen Tag danach 8 000 Tonnen Rohsalz über das Band und durch den Schacht liefen. Durch den Übergang auf die Bandförderung konnten 36 Mann aus der Lokförderung freigesetzt werden, die zum Teil an anderer Stelle des Grubenbetriebes dringend benötigt werden. Einige Grubenlokomotiven werden von Schwesterwerken übernommen; das übrige Material des Gleisbetriebes wird zum Verkauf angeboten bzw. verschrottet.

Nun noch einige Daten zur neuen Bandanlage: Die Hauptbandstrecke besteht aus drei Bandlängen von 2 100, 1 900 und 1 600 Metern. Die Haupt- Förderbänder haben Stahlseileinlagen, um die großen Zugkräfte zu beherrschen. Die Abteilungsbänder haben Textileinlagen.

Alle Bänder haben eine Breite von 1000 mm, auch die Abteilungsbänder. Die Bänder laufen mit einer Geschwindigkeit von 3m/sec. Das ist mit 10,8 km je Stunde ungefähr doppelt so schnell wie die Geschwindigkeit eines Fußgängers. Dieses verhältnismäßig hohe Tempo und die Breite des Bandes verhindern mit Sicherheit ein „Überlaufen“ von Salz, auch bei verstärkter Aufgabe. Reinigungsarbeiten unter den Bandrollen fallen so gut wie ganz fort. 

      1968   Scoop  ST8;  Otto Schäfer; Waldemar Storch; MStg. Stiller         

                         ST 8 Otto Schäfer, Waldemar Storch, ? Stiller 

   Ellers Schrapper


                                                  Schrapper                                                                                                                                    

Nicht wie sonst üblich in Schachtnähe, sondern im äußersten Norden, an der „Front“ liegt die Leitstelle der gesamten Anlage. An Leuchtbildern können die jeweiligen Betriebszustände aller Bönder, Kippstellen, Brecher und Schachtfördereinrichtungen überwacht werden. Von hier aus läßt sich der ganze Betrieb disponieren, denn auch die Funkzentrale für den Gruben-Sprechfunk ist hier installiert, ebenso die Alarmzentrale.

Die durchschnittliche Förderleistung der Bandanlage beträgt 1 200 t pro Stunde, in der Spitze bis zu 1 700 t. Damit ist die Anlage geeignet Tagesleistungen von mehr als 15 000 t zu erbringen.

Da die Förderkapazität des Schachtes Neuhof nur 11 800 t täglich beträgt, wird erwogen, den jetzt vorhandenen Schachtbunker mit einem Fassungsvermögen von 8 000 t zu vergrößern, um unabhängig von der Gewinnung in der Grube die Schachtförderung auch an Wochenenden zu ermöglichen und so die kontinuierliche Versorgung der Fabrik sicherzustellen.

Werkzeitschrift Kali und Salz AG Juni/Juli1972

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